Es gibt Erinnerungen, die wie kleine Rituale der Familie erscheinen und viele Jahre später den Schlüssel zum Erzählen eines ganzen Lebens werden. Für Emmanuel Carrère hat eine dieser Erinnerungen einen kuriosen und liebevollen Namen: „kolchoz machen“. Als Kinder verwandelten er und seine Schwestern das Schlafzimmer der Eltern in einen gemeinsamen Ort, indem sie alle zusammen schliefen. Jahre später, als Erwachsene, werden sie dieses Ritual an der Seite der Mutter im Hospiz während der letzten Nacht ihres Lebens wiederholen.
In diesem Moment entsteht das Buch und eine große Familienerzählung nimmt Form an, intim und zugleich historisch. Carrère rekonstruiert die Geschichten der beiden Familien, von denen die Mutter abstammt, zwischen Russland und Georgien, und durchlebt Kriege, Revolutionen, Migrationen und außergewöhnliche Schicksale. Im Mittelpunkt steht Hélène Zourabichvili, eine komplexe und unbezähmbare Mutter, die zu einer der bedeutendsten französischen Wissenschaftlerinnen über die Sowjetunion und Russland wurde, bis sie die Höhen der Académie française erreichte.
Ohne Widersprüche, Härte und Fragilität zu verbergen, gibt Carrère das Porträt einer geliebten und schwierigen Frau zurück und verwandelt die private Geschichte in eine Familiengeschichte, die in der Lage ist, die Geschichte zu hinterfragen.
Ein Treffen mit einem der großen zeitgenössischen Erzähler, um aus seiner Stimme zu hören, wie Erinnerung, Identität, kindliche Liebe und Geschichte miteinander verwoben werden können, um Literatur zu werden.
Freier Eintritt bis zur Erschöpfung der Plätze - Mit Francesco Chiamulera und Sonia Folin