Die Inszenierung von Filippo Dini ist eine frontale, fast brutale Auseinandersetzung mit dem Schrecken des Todes in seiner skandalösesten Ausprägung: der des Opferlamms.
Dini interpretiert Euripides’ Werk als die erste, grundlegende Auseinandersetzung des Abendlandes mit dem Sterben und verwandelt das Bühnengeschehen in eine notwendige liturgische Praxis, einen weltlichen Ritus, der das Heilige hervorhebt, das jedem einzelnen Augenblick des Lebens innewohnt.
Im Rahmen dieser mit geometrischer und unerbittlicher Perfektion konstruierten Theatermaschine vollzieht Euripides einen strukturellen Bruch, der die Revolutionen der modernen Filmsprache um Jahrtausende vorwegnimmt.
Genau wie es Alfred Hitchcock Jahrhunderte später in „Psycho“ tun würde, beschließt der griechische Dramatiker kühn, seine Protagonistin in der Mitte des Geschehens aus dem Stück zu entfernen. Der Tod der Alkeste ist somit kein Epilog, sondern ein gewaltsames formales Trauma, das das Ende der konventionellen tragischen Parabel besiegelt.
Dieser Zusammenbruch der Erwartungen verunsichert das Publikum und eröffnet der Erzählung eine Phase fieberhafter Ungewissheit, in der das Tragische einer neuen Unruhe weicht.
Im Zentrum von Dinis Vision steht schließlich das Geheimnis der Alkeste, dem Archetyp der Hingabe, der die Grenzen der Zeit herausfordert. Die Frau, die „von dort zurückkehrt“, ist nicht dieselbe, die aufgebrochen ist; ihr Opfer spiegelt sich in den „alltäglichen Todesfällen“ der Frauen aller Epochen wider, geprägt von einer Hingabe, die tragischerweise an Selbstaufgabe grenzt.