Was geschieht, wenn die Moderne beschließt, auf das Antike zu verzichten? Und was verlieren wir, wenn die Klassiker, die über Jahrhunderte hinweg unsere Vorstellung vom Menschen, vom Schicksal und von Schönheit geprägt haben, als überholt betrachtet werden?
Diese Fragen widmet sich das Treffen mit Marina Valensise, eine faszinierende Reise durch die moderne Landschaft des Antiken, zur Entdeckung der außergewöhnlichen Vitalität der klassischen Kultur im 20. Jahrhundert.
Durch die Schicksale und Werke von Künstlern, Schriftstellern, Dichtern, Dramatikern und Musikern – von Hofmannsthal bis Cocteau, von Picasso bis Stravinski, von Camus bis Heiner Müller, bis hin zu Sarah Kane – zeigt Valensise, wie der Mythos, die Tragödie und das griechische Epos in den unruhigsten Momenten der europäischen Geschichte mit Kraft wieder zu sprechen gekommen sind. Kriege, Totalitarismen, Krisen der Zivilisation, Sehnsucht und Nihilismus: Angesichts der Brüche der Moderne ist die Rückkehr zu den Klassikern keine Flucht, sondern eine Form des Wissens und des Widerstands.
Ein Treffen, um das Antike wiederzuentdecken als etwas Überraschend Zeitgemäßes: eine lebendige Wurzel, die auch heute noch in der Lage ist, die Gegenwart zu hinterfragen und uns neue Worte zu bieten, um zu verstehen, wer wir sind.